Narrenbaumstellen & Stockacher Narrengericht 2008

31. Jan. 2008

Der "Schmotzige Dunschtig" ist für Stockachs Narren der hochheilige Tag. Während morgens die Schülerbefreiung und Überreichung des Stadtschlüssels auf dem Programm stehen, beginnt für die althistorische Zimmergilde nach dem Großen Umzug gegen 14.30 Uhr mit dem traditionellen Stellen des "Stammbaums aller Narren" (seit 1791) die Arbeit.

Die in mittelalterlicher Kluft auftretende und sehr professionell wirkende Zimmergilde sorgt dafür, dass das "Ungetüm" kontrolliert, sicher und letztlich kerzengerade in den Himmel ragt. Und das Ganze von Hand und nur mit Hilfe von sog. Schwalben. Wirklich gigantische Ausmaße hat dieser Narrenbaum (um die 32 Meter Länge) - dagegen wirken die in unseren Regionen gestellten Bäume wie größere Zahnstocher!

"Das Hohe Grobgünstige Narrengericht zu Stocken", eine traditionelle Veranstaltung der schwäbisch-alemannischen Fastnacht, beginnt um 17 Uhr in der Jahnhalle und gliedert sich in 3 Akte. Bei dieser Verhandlung wird stets eine politische Persönlichkeit „angeklagt“ - und das seit dem Jahr 1351.

Das Narrengericht wählt jedes Jahr einen neuen Beklagten aus (in dieser Doku war's die stellvertretende SPD-Vorsitzende Andrea Nahles), der in der öffentlichen und vom SWR-Fernsehen übertragenen Hauptverhandlung vor dem „Hohen Grobgünstigen Narrengericht“ durch den Kläger angeklagt und durch den Fürsprech verteidigt wird und sich dann selbst verteidigt. Das Urteil durch den Richter sieht zur Strafe je nach Schwere der Schuld vor, einen oder mehrere Eimer Weines (österreichisches Hohlmaß von 70 Liter) bis zum Lätare-Tag als Buße zu liefern.

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