Viehscheid Missen 2013

21.09.13

Feiertag in Missen (zumindest inoffiziell), als nämlich am Samstag, dem 21. September, der traditionelle Viehscheid auf dem Programm stand. Und auch 2013 wurde der seit 4 Jahrzehnten gültige Schönwettervertrag mit dem Herrgott ausnahmslos eingehalten: Sonnenschein den ganzen Tag mit Temperaturen um die 20 Grad Celsius.

Missen, malerisch im Tal gelegen, wird von zahlreichen Alpen umgeben und so beinhaltete der Viehscheid insgesamt fünf Vieh-Alpen, nämlich die Pfarralpe, Alpe Untereibele, Alpe Eckele und Hofacker sowie Alpe Neuschwand.

Der Viehscheid gehört zum Alp-Abtrieb (die "Alm" nennt man im Allgäu "Alpe") und ist für das Allgäu und seine Bewohner ein wichtiges und freudiges Ereignis. An einem Tag Mitte/Ende September, kehrt das Vieh von der Alpe ins Tal zurück, um die Wintermonate in den heimatlichen Stallungen zu verbringen. Das Vieh, das den Sommer in den Bergen verbracht hat, wird gemeinsam ins Tal getrieben und „geschieden“, d.h. dem jeweiligen Besitzer aus der Obhut der Hirten wieder zurück gegeben.

Bevor der Viehscheid allerdings beginnen konnte, stand jede Menge Arbeit an: Die großen Zugschellen wurden auf Hochglanz poliert, deren Fransen gebürstet, die bei den wertvollen Schellen aus echtem Dachshaar sind. Beim Alp-Auszug selbst kommen viele fleißige Helfer zur Unterstützung auf die Alpe. Die Tiere werden in den Stall getrieben und angebunden. Dort tauschen die Helfer die kleinen Weideschellen gegen die geputzten Zugschellen aus.

Die sogenannten "Schellen" sind speziell für die Viehscheide gefertigt, werden nur an diesem Tag getragen und den Tieren bereits am Vortag des Viehscheids umgelegt.

Frühmorgens um 7 Uhr war Treffpunkt auf der 1050 Meter hoch gelegenen Pfarralpe, die ich an diesem Tage fotografisch ins Visier genommen hatte (auf allen Alpe'n gleichzeitig zu sein, ist leider nicht möglich). Zu dem Zeitpunkt war's noch sehr ruhig und die Alpe-Chefin Christina Dallmayer mit ihrem Team beim Frühstück.

Die Nacht war anscheinend ziemlich kurz auf der Pfarralpe - wie das eben bei Feiertagen durchaus normal ist. Eine halbe Stunde später ging's dann aber schon rund in und um die Hütte: innen wurde Christina für den Tag eigens meisterlich frisiert und draußen waren die Andy's an den letzten Vorbereitungen für den Alp-Abtrieb.

Auch der Nachwuchs stand zu dem Zeitpunkt schon in den Startlöchern: Alois und Vinzenz freuten sich, live mit dabei zu sein und dafür zu sorgen, dass das Vieh ohne Verluste ins Tal kommt.

Frisch gestärkt und mit einem bunten Festtags-Sträußchen am Hut, marschierten um 8.15 Uhr die Hirtinnen und Hirten mit dem sog. Kranzrind voraus ins Tal. Zu dem Zeitpunkt verfügen diese Kranzrinder nur über ein paar Reis-Ästchen auf dem Kopf, die unten im Tal durch ein sehr schönes Gesteck aus bunten Bergblumen und Fichtenzweigen ersetzt werden. Dazu zählt auch ein Kreuz zum Schutz Gottes sowie ein Spiegel zur Abwehr böser Geister.

Im Anschluss folgte die mit Schellen geschmückte Kuhherde, begleitet von den Hirten, die sorgsam das wilde und aufgeregte Vieh ins Tal führten. Förmlich im Eiltempo rasten die Tiere den Weg hinunter und immer wieder verließ ein Rind die Piste, weshalb es wieder auf den richtigen Weg getrieben werden musste.

Unten im Tal, am Ortsrand von Missen, blieb noch genug Zeit für die Tiere, um sich von dem "Galopp" zu erholen und zu beruhigen. Hier wurde auch das Kranzrind wunderschön dekoriert und für den feierlichen Einmarsch nach Missen gerichtet.

Natürlich auch in Missen echte Feiertagsstimmung - und trotz dieses "Großereignisses" ging es sehr familiär zu. Die "Kuh-Prozession" unter Regie von Christina und ihrem Kranzrind endete am sog. Scheidplatz, wo sich Scheidmeister Christian Hauber um seine Alpe-Familien kümmerte.

Hier wurde jeder Kuh einzeln die große Schelle abgenommen (50 von der Pfarralpe - insgesamt waren's in Missen ca. 300) und im Anschluss die Tiere an ihre Besitzer übergeben. Danach konnte endlich mit einer Maß Bier auf die gelungene Arbeit angestossen und im Festzelt kräftig gefeiert werden.

Ein wirklich tolles Erlebnis im Allgäu, das man wirklich nur empfehlen kann. Und die Auswahl an Viehscheiden ist sehr vielfältig.

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