Historischer Umzug der Narrozunft Villingen

15.02.2010

Ein wirklich einzigartiges Spektakel stellte der historische Umzug der Narrozunft Villingen am Fasnetsmontag dar. Los geht's kurz nach 8 Uhr in der Frühe mit dem Umzug des 1872 gegründeten Katzenmusik-Vereins "Miau" und mit dem Narrenruf "Miau - Miau" kommt schnell beste, närrische Stimmung auf.

Unmittelbar danach um 9 Uhr startet der historische Umzug durch die wunderschöne Altstadt von Villingen. Hauptfigur der 1467 erstmals erwähnten Villinger Fasnet ist der Narro. Er wurde bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts als "Masquera" bezeichnet. Der Narro gehört zur Gruppe der Weißnarren mit weißem Leinengewand, auf das mit Ölfarben Figuren, Tiere und Blumen gemalt sind. Auf der Vorderseite der Hose ist ein Bär und ein Löwe aufgemalt. Die Rückseite der Hose zeigt ein Paar in trachtenartigen Gewändern, im Volksmund "Hansele" und "Gretele" genannt. Auf dem Kittel sind vorne ein Fuchs und ein Hase aufgemalt. Auf dem Rücken des Kittels sieht man ein Hansele mit einer Katze. Tulpen, Pfingstrosen und Knospen sind an den Außenseiten der Ärmel aufgemalt, während an den Innenseiten Würste zu sehen sind. Über seinen Schultern trägt der Narro vier Riemen mit zirka 18 Kilogramm schweren „Rollen“ (Glocken). Komplettiert wird das Häs durch einen großen, weißen, kunstvoll gefalteten und gestärkten Kragen, der Masch' (bunte Halsschleife), dem Foulard, einem großen Seidentuch, den Zugstiegfeln oder Bodinen (zeitlose, hohe, schwarze Glattlederschuhe) und schwarzen Lederhandschuhen. An der Haube sind die aus Lindenholz geschnitzte Maske und ein Fuchsschwanz befestigt. Die Maske, in Villingen Scheme (gesprochen: "Schemme") ist der wohl kostbarste Teil der Ausrüstung.

Der Stachi trägt die gleiche Hose wie der Narro, den Kragen und einen Fuchsschwanz. Statt der schweren Narrorollen hat er ein blaues Fuhrmannshemd an. In den Händen hält er eine Streckschere, einen Staubwedel, eine Bürste oder ähnliche Neckinstrumente. Vor dem Gesicht trägt er einen Suribel, das heißt eine Porträtmaske, die wohl ursprünglich dazu diente, Villinger Bürger zu karikieren. Die Begleiterin des Stachis ist das Morbele, auch Murbele genannt. Sie ist die ideale Ergänzung zum Suribel und entstand als weitere Frauenfigur Mitte der 1920er Jahre.

Die Tracht der Altvilingerin stammt aus dem frühen 19. Jahrhundert und war die städtische Frauenmode Villingens. Über dem langen Kleid aus dunklem, gemustertem Seidenstoff, trägt sie eine Schürze aus schillerndem Taft. Die Schultern werden von einem mit Fransen besetzten Seidenschal, bei Kälte mit einem zusätzlichen Wollschal bedeckt. Auf dem Kopf wird eine goldene, teilweise auch schwarze Radhaube getragen.

Der Butzesel ist eine mit einem Blätzlehäs bekleidete Tierfigur. Das Blätzlehäs besteht aus einem einfachen Anzug, benäht mit vielen kleinen, in Ziegelform geschnittenen Stoffstückchen, die „Blätzle“ genannt werden. Auf dem Kopf trägt der Butzesel eine große Eselsmaske. Von den „Triibern“ (Stachis) begleitet, die Fuhrmannspeitschen in der Hand tragen, reitet er auf einem Fichtenast durch die Stadt und ahmt die Stimme und das Gebaren eines grimmigen Tiers nach. Gelingt es dem Butzesel, den Triibern in ein Wirtshaus zu entwischen, so darf er dort auf deren Kosten essen und trinken..

Dick mit Stroh ausgestopft ist das abgetragene Narrohäs der Wuescht. In der Hand führen die Wuescht einen Besen, den sie beim Rennen erheben und somit signalisieren, dass die Kinder sie mit Schneebällen und Tannenzapfen bewerfen können. Der Wuescht bietet ihnen willig eine Zielscheibe: Auf dem Rücken trägt er hierzu ein Brett mit einer alten Stoffpuppe, im Dialekt „Lumpendogge“ genannt, oder ähnlichem Unrat.

Musikalisch begleitet von der Stadt- und Bürgerwehrmusik Villingen sowie der urigen Guggemusik "Alte Kanne n.e.V." ist das gut 90-minütige Schauspiel von Kurzweiligkeit geprägt und jedermann zu empfehlen.